„Gestutzte Eiche“

Passend zu diesem Tag und zu meinem letzten Beitrag ein Gedicht von einem der wundervollsten und weisesten Autoren, die ich kenne:

Wie haben sie dich, Baum, verschnitten,

Wie stehst du fremd und sonderbar!

Wie hast du hundertmal gelitten,

Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!

Ich bin wie du, mit dem verschnittnen,

Gequälten Leben brach ich nicht

Und tauche täglich aus durchlittnen

Roheiten neu die Stirn ins Licht.

Was in mir weich und zart gewesen,

Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,

Doch unzerstörbar ist mein Wesen,

Ich bin zufrieden, bin versöhnt,

Geduldig neue Blätter treib ich

aus Ästen hundertmal zerspellt,

Und allem Weh zum Trotze bleib ich

Verliebt in die verrückte Welt.

aus “Die schönsten Gedichte von Hermann Hesse” (Diogenes, 1996)

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