Ein Arschloch lieben.

3. August 2008

Es gibt Frauen, die stehen auf Arschlöcher. Auf Männer wie Robbie Williams, Jude Law oder sogar Pete Doherty. Und um weniger prominente Beispielen zu nennen: Es soll Frauen geben, die aus Liebe Machomanieren, Paschaverhalten und Vertrauensbrüche in ihrer Beziehung dulden. Ich gehöre nicht zu dieser Sorte Frauen und habe deshalb einen Mann an meiner Seite, der seine Attraktivität nicht durch Arschlochgehabe aufpeppen muss. Aber das ist eigentlich auch gar nicht der Punkt.

Der Punkt ist: Was macht denn bitte ein Arschloch liebenswert? Allein der Begriff an sich ist buchstäblich abstoßend, ein ekliges Wort, das jeder Schönheit entbehrt und abstoßende Assoziationen weckt. Deshalb bezeichnet man als Arschloch im übertragenen Sinne normalerweise Menschen oder Gegenstände, deren Verhalten nicht unseren Erwartungen entspricht, die negativ auffallen und uns damit in irgendeiner Art und Weise negativ beeinflussen. Also kann ein Mensch, der ein intimes Geheimnis entgegen aller Versprechen der Öffentlichkeit preisgibt, genauso ein Arschloch sein wie ein Schnürsenkel, der immer wieder aus der Schlaufe rutscht und seinen Besitzer dadurch zum wiederholten Niederknien und erneuten Binden zwingt.

Bei dieser, meiner, Begriffsklärung (man hat mich danach gefragt) wurde mir vor einigen Tagen bewusst, dass das Leben manchmal – und meines in letzter Zeit häufiger – ein Arschloch ist. Gefallen hat mir dieses Eingeständnis nicht. Wie könnte es auch, schließlich bin ich an dieses Arschloch gebunden. Gefallen hat mir aber nach langem Nachdenken letztendlich die Erkenntnis, dass mein Leben mich trotz seines asozialen Verhaltens zum Lachen bringt. Mich auffängt, mich antreibt. In mir den Wunsch weckt, es fest zu umarmen und ihm so nah zu sein wie irgend möglich. Und dann habe ich mir schmunzelnd eingestehen müssen, doch zu den Frauen zu gehören, die Attraktivität seltsam bemessen:

Ich liebe ein Arschloch, von dem ich mich nie und nimmer trennen würde.